Der Freitag abend gestaltete sich doch noch interessanter als erwartet. Waehrend ich im Aufenthaltsraum des Hostels sass und Tagebuch schrieb, blickte mir ploetzlich ein aelterer Herr ueber die Schulter und sprach mich sehr hoeflich auf deutsch an. Es stellte sich heraus, dass er Mexikaner war und selbst nie in Deutschland gewesen war. Dafuer sprach er ausgezeichnet Deutsch und freute sich wie ein kleines Kind, dies auch mal wieder anwenden zu koennen. Wir unterhielten uns eine lange Weile ueber das Leben in Deutschland und er war dankbar fuer jede Information. Auch wusste er enorm gut Bescheid ueber die politischen Vorgaenge in Deutschland und kannte viele Staedte vom Hoeren und Sagen. ich shclug ihm immer wieder vor, vielleicht noch einmal nach Deutschland zu reisen und dann strahlten seine Augen. Erst als er aufstand, um zu gehen, fiel mir auf, dass seine Hose nur mit einem einfachen Bindfaden zusammengehalten wurde und er eine grosse schwarze Tuete mit sich trug, und mir wurde klar, dass er nicht nach Deutschland wuerde fliegen koennen.
Als er gegangen war, entspannen sich noch viele andere nette Gespraeche zwischen den Hostelgaesten und ich war sehr froh, hierher gekommen zu sein.
Das "Casa de los Amigos" ist unter Mexikoreisenden eine beliebte Adresse fuer eine besonders soziale und gesellige Herberge. Es wird von Quaekern gefuehrt und hat daher den Anspruch, jedem ein freundliches und familiaeres Dach ueber dem Kopf anzubieten. Man trifft dort Leute aller Laender und aller Altersgruppen. Man fruehstueckt gemeinsam und verbringt zusammen Zeit. Nach meinen zwei ruhigen Hoteltagen war diese Unterkunft genau, was ich wollte.
Heute bin ich nun endlich ueber meinen Schatten gesprungen und habe mich nach einem ausgiebigen Fruehstueck im Hostel einer sehr lieben Deutschen, Sophie, und einem Amerikaner namens Dan angeschlossen, das Frida-Kahlo-Museum in dem etwas entfernten Stadtteil Coyoacan zu besichtigen. Nach einer etwa 15-minuetigen Metrofahrt und einem kurzen Fussweg gelangt man zu dem Museum, welches auch Frida Kahlos Wohnhaus war. Von aussen sieht man nur die koenigsblau strahlenden, dicken Mauern. Diese hatte Diego Rivera grosszuegigerweise zum Schutze Trotzkys erbauen lassen. Trotzky war in den 30er Jahren vor dem langen Arm Stalins ueber Norwegen nach Mexiko gefluechtet und war mit seiner Frau Natalia bei Frida und Diego untergekommen. Durch eine Pforte kommt man in den zauberhaften Innenhof, indem ein Springbrunnen plaetschert, Katzen herumlaufen und Besucher auf einer Steinterasse Kaffee schluerfen. Im Haus fuehrt ein Rundgang sowohl durch Ausstellungsraeume, die Skizzen und Gemaelde von beiden Kuenstlern zeigen, als auch durch die persoenlichen Raeume. In Fridas Atelier steht ihr Rollstuhl vor einer Staffelei mit einem noch unbeendeten Stalingemaelde, so, als waere sie nur kurz aufgestanden, um Pause zu machen. Die bunt dekorierte Kueche, ein altes Buecherregal voller Buecher mit persoenlichen Widmungen und viel mehr vermitteln einen sehr persoenlichen Eindruck davon, wie die beiden hier gelebt haben koennten. Mir haben es besonders die vielen bunten Farben der Waende, der Bilder im Haus und der Pappmaché-Figuren innen und aussen angetan. Frida Kahlo scheint ein ganz besonderes Gespür dafür gehabt zu haben, die traditionelle indigene Kunst mit ihrer eigenen, kaum zu klassifizierbaren Malweise zu verweben.
Danach gingen wir weiter zum Trotzky-Museum, welches nur wenige Blocks vom Frida-Kahlo-Haus entfernt ist. Dieser Besuch war wirklich bemerkenswert! Wohingegen wir drei ueber Frida Kahlo bereits das ein oder andere wussten (und wenn auch nur durch den Salma-Hayek-Film), hatten wir von Trotzky nur eine ganz blasse Ahnung. Ich wusste zwar, dass er eine Affaere mit Frida Kahlo gehabt haben soll - aus dem Film, klar -, als er und seine Frau Natalia nach ihrer Ankunft in Mexiko vorruebergehend in Fridas Haus unterkamen. Erwiesen ist aber nichts.
Gluecklicherweise sprach uns sofort im Museum eine junge Frau mit leicht nervoeser Stimme an und bot uns schuechtern eine kostenlose Fuehrung an. Tatsaechlich war dieses Maeuschen von Museumsfuehrerin ein absoluter Geschichtsfreak und Trotzky-Kenner. Ueber 1 1/2 Stunden erzaehlte sie uns alles ueber sein Leben und liess dabei kein pikantes, politisches oder psychologisches Detail aus. Erstaunlich! So erfuhren wir viel zu viel, um es uns zu merken, ueber seine Familie, deren Mitglieder saemtlich von Stalin verfolgt wurden, seine Flucht nach Mexiko (welches als einziges Land bereit war, ihn aufzunehmen), seine letzten angstvollen und schaffensreichen Jahre und seinen tragischen Tod. Nachdem ein Anschlag auf ihn mit Schusswaffen durch die Mauern des Hauses gescheitert war (die Einschussloecher- insgesamt ueber 200 - sind noch zu sehen), wurde er wenige Monate später mit einer Eisaxt von hinten erschlagen. Sein Moerder ging bereits seit 2 Jahren im Hause ein und aus und war ein Vertrauter der Familie. Wie sich herausstellte, war auch er ein Agent Stalins.
Wir erfuhren auch, dass Trotzky unter Hypomanie litt-einer Krankheit, die eigentlich ein Segen ist, weil sie dem Bettroffenen besonders viel Energie verleiht und und ihn aussergewoehnlich viel arbeiten laesst, ohne sich von Risiken und Aengsten ablenken zu lassen. Nichtsdestotrotz muss Trotzky bis zuletzt dem jungen Mann gegenueber misstrauisch gewesen sein. Man weiss allerdings nicht, warum er ihn doch zuletzt allein mit sich ins Zimmer liess - er hatte sonst stets einen Wachmann dabei.
Am Abend fand bei uns im Hostel noch ein kleines Festessen statt, weil ein cubanischer Mitbewohner Geburtstag hatte. Und wie es die cubanische Art ist, wird zwischen Haupt- und Nachspeise ein bisschen getanzt. Salsa! Die Spanier huepften sofort begeistert umher und wackelten gekonnt mit den Hueften. Unsereins versuchte sich den Stock aus dem Hintern zu ziehen und geschmeidig mit zu wackeln. Ein kleiner Mexikaner bekam Mitleid ich dafuer meine erste Tanzstunde in Mexiko! Olé!
miércoles, 23 de abril de 2008
Tag 2 (18.04.2008): Es geht aufwaerts/ Umzug ins Hostel
Aus meinen Vorsaetzen, mich heute touristisch-aktiv zu betaetigen, und ein Dutzend Museen anzusehen oder die beruehmten Maerkte zu besuchen, ist natuerlich nichts geworden. Nicht "natuerlich", weil ich faultierhafte Traegheit zu meinen herausragenden Eigenschaften zaehle, sondern weil nach der totalen Schlappheit von gestern nicht zu erwarten war, dass ich wie ein Gummiball vergnuegt durch die Gegend huepfen wuerde. Ganz im Gegenteil: Mir selbst etwas nahrhaftes zu Essen zu besorgen und nach eienr ausgiebigen Ruhepause (Fruehstuecken ist anstrengend) in ein Hostel umzuziehen, war das Naechste, an das ich im Bestreben auf eine ausgefuellte Tagesgestaltung herangekommen war.
Das Fruehstueck war immerhin schon eine kleine Entdeckung: Nach eienr Vortags-Salat-Enttaeuschung bei McDonalds hatte ich mich entschlossen, Fast-Food erstmal sein zu lassen und bin stattdessen auf der Suche nach der echten mexikanischen Kueche in ein kleines Cafe um die Ecke gegangen. Es war dank Jetlag immer noch ziemlich frueh am morgen und das Cafe bis auf einige wenige einsame Esser fast leer. Ich machte es mir an der Theke gemuetlich und bestellte mir ein besonders exotisch klingendes Fruehstueck (weil: exotisch=besonders mexikanisch, oda?): Gebratene Bananen mit "Crema" und dem typisch mexikanischen roten Bohnenbrei "Frijoles", der hier scheinbar zu allen Gerichten, unabhaengig von den Zutaten, serviert wird. Die Crema schmeckte auch echt lecker, auch wenn ich noch nicht ganz begriffen habe, was das denn genau ist. Irgendwas Sauerrahm-aehnliches. Nur die Kombination aus gebratenen Bananen und Bohnenbrei war ein bisschen gewoehnungsbeduerftig. Waehrend ich so verstohlen an meinem Essen schnueffelte und kaute, setzten sich kurz nacheinander rechts und links von mir zwei dickliche aeltere Mexikaner. Die restliche Theke, die sich ueber das gesamte Cafe erstreckte, blieb leer. Da ich, abgesehen von meinem europaeischen Aussehen, zu allem Ueberfluss auch noch einen deutschsprachigen Reisefuehrer las, waren die beiden Herren voellig abgelenkt und starrten mich immer wieder mehr oder weniger unverhohlen von der Seite an. Ich traute mich nicht recht, zurueckzustarren, denn dann haetten leicht unsere Nasen zusammenstossen koennen - die Stuehle standen wirklich sehr nah beieinander. Ich glaube, das war meine erste Begegnung mit dem beruehmten mexikanischen Machismo. Nichtsdestotrotz ( und auch weil die beiden aelteren Herren eher niedlich waren in ihrer Art) bin ich sehr positiv ueberrascht von der Freundlichkeit und Hoeflichkeit der Menschen hier. Wo sich die Madrilener lieber die Zunge abbeissen wuerden, als ein "bitte" ueber die Lippen zu bekommen, gehoert hier ein ganzes Etui an netten kleinen Hoeflichkeitsfloskeln zur Standardausruestung. "Buenos dias", "por favor", "muchas gracias", "a ti", "con mucho gusto" hoert man aller Ortens. Und selbst die gestressteste Kellnerin ruft dem das Lokal verlassenden Gast noch schnell ein "Que tengas un buen dia!" nach. Das ist wirklich eine sehr schoene Atmosphaere.
Nach dieser Feststellung und dem halbstuendigen Fruehstueck (ich konnte ja nicht einfach aufstehen und den gebannten mexikanischen Herren den Reisefuehrer unter den Augen wegreissen) war ich wieder muede genug, um mich stundenlang auf meinem Hotelbett herumzuflaezen und "Alvin und die Chipmunks" zu gucken. Es ist naemlich echt faszinierend, dass in scheinbar jeder Sprache die Chipmunks immer wie quietschende Gummireifen klingen. Ein Meisterwerk der Synchronisation.
Schliesslich machte ich mich auf in mein neues Hostel, das "Casa de los Amigos". Doch auch da verebbte ich gleich nach der Ankunft wieder in einer Art Daemmerzustand. Meine ersten Tage in Mexiko habe ich mir also doch etwas aufregender vorgestellt. Na gut, Abendbrot habe ich auch noch gegessen. Ruehrei mit - Bohnenbrei, na klar.
Etwas komisches ist uebrigens doch passiert. Mir ist zweimal am gleichen Tag in zwei voellig verschiedenen Stadtteilen dieser 20-Mio-Stadt der gleiche Mann begegnet, auf seinem kleinen Klapperfahrrad. Und beide Male hat er mich gefragt, ob ich "Artista" sei. Das liegt bestimmt an meinem Backpackeroutfit und heisst uebersetzt: Hey, Du siehst gammelig aus. Ich gebe ja zu, das ist nicht gerade feminin ist. Naja, naechste Woche ist Schluss mit Gammellook.
Das Fruehstueck war immerhin schon eine kleine Entdeckung: Nach eienr Vortags-Salat-Enttaeuschung bei McDonalds hatte ich mich entschlossen, Fast-Food erstmal sein zu lassen und bin stattdessen auf der Suche nach der echten mexikanischen Kueche in ein kleines Cafe um die Ecke gegangen. Es war dank Jetlag immer noch ziemlich frueh am morgen und das Cafe bis auf einige wenige einsame Esser fast leer. Ich machte es mir an der Theke gemuetlich und bestellte mir ein besonders exotisch klingendes Fruehstueck (weil: exotisch=besonders mexikanisch, oda?): Gebratene Bananen mit "Crema" und dem typisch mexikanischen roten Bohnenbrei "Frijoles", der hier scheinbar zu allen Gerichten, unabhaengig von den Zutaten, serviert wird. Die Crema schmeckte auch echt lecker, auch wenn ich noch nicht ganz begriffen habe, was das denn genau ist. Irgendwas Sauerrahm-aehnliches. Nur die Kombination aus gebratenen Bananen und Bohnenbrei war ein bisschen gewoehnungsbeduerftig. Waehrend ich so verstohlen an meinem Essen schnueffelte und kaute, setzten sich kurz nacheinander rechts und links von mir zwei dickliche aeltere Mexikaner. Die restliche Theke, die sich ueber das gesamte Cafe erstreckte, blieb leer. Da ich, abgesehen von meinem europaeischen Aussehen, zu allem Ueberfluss auch noch einen deutschsprachigen Reisefuehrer las, waren die beiden Herren voellig abgelenkt und starrten mich immer wieder mehr oder weniger unverhohlen von der Seite an. Ich traute mich nicht recht, zurueckzustarren, denn dann haetten leicht unsere Nasen zusammenstossen koennen - die Stuehle standen wirklich sehr nah beieinander. Ich glaube, das war meine erste Begegnung mit dem beruehmten mexikanischen Machismo. Nichtsdestotrotz ( und auch weil die beiden aelteren Herren eher niedlich waren in ihrer Art) bin ich sehr positiv ueberrascht von der Freundlichkeit und Hoeflichkeit der Menschen hier. Wo sich die Madrilener lieber die Zunge abbeissen wuerden, als ein "bitte" ueber die Lippen zu bekommen, gehoert hier ein ganzes Etui an netten kleinen Hoeflichkeitsfloskeln zur Standardausruestung. "Buenos dias", "por favor", "muchas gracias", "a ti", "con mucho gusto" hoert man aller Ortens. Und selbst die gestressteste Kellnerin ruft dem das Lokal verlassenden Gast noch schnell ein "Que tengas un buen dia!" nach. Das ist wirklich eine sehr schoene Atmosphaere.
Nach dieser Feststellung und dem halbstuendigen Fruehstueck (ich konnte ja nicht einfach aufstehen und den gebannten mexikanischen Herren den Reisefuehrer unter den Augen wegreissen) war ich wieder muede genug, um mich stundenlang auf meinem Hotelbett herumzuflaezen und "Alvin und die Chipmunks" zu gucken. Es ist naemlich echt faszinierend, dass in scheinbar jeder Sprache die Chipmunks immer wie quietschende Gummireifen klingen. Ein Meisterwerk der Synchronisation.
Schliesslich machte ich mich auf in mein neues Hostel, das "Casa de los Amigos". Doch auch da verebbte ich gleich nach der Ankunft wieder in einer Art Daemmerzustand. Meine ersten Tage in Mexiko habe ich mir also doch etwas aufregender vorgestellt. Na gut, Abendbrot habe ich auch noch gegessen. Ruehrei mit - Bohnenbrei, na klar.
Etwas komisches ist uebrigens doch passiert. Mir ist zweimal am gleichen Tag in zwei voellig verschiedenen Stadtteilen dieser 20-Mio-Stadt der gleiche Mann begegnet, auf seinem kleinen Klapperfahrrad. Und beide Male hat er mich gefragt, ob ich "Artista" sei. Das liegt bestimmt an meinem Backpackeroutfit und heisst uebersetzt: Hey, Du siehst gammelig aus. Ich gebe ja zu, das ist nicht gerade feminin ist. Naja, naechste Woche ist Schluss mit Gammellook.
Der 1. Tag
Trotz allen Bemuehens, mich am Vorabend mindestens noch eine halbe Stunde wach zu halten, scheiterte ich klaeglich und schlief auf der Stelle ein. Daher war es auch nicht anders zu erwarten, als dass ich am morgen um fuenf nach mexikanischer Zeit hellwach wach war und selbst nach ausgiebigem Zeitschinden morgens um sieben vor der Tuer meines Hotels stand. Und ich fand: Das war entschieden das Beste, was man als Tourist auf seiner ersten Erkundungstour in Mexiko D.F. machen kann. Die Strassen waren menschenleer bis auf einzelne, streifengehende Polizisten. Es war angenehm kuehl und die Sonne war gerade dabei, aufzugehen.
Um diese Zeit kann man ungestoert ueber die alten Plaetze schlendern. sich die alten Kolonialbauten ansehen und mit einem Pappkaffee in der Hand auf einer Bank hocken und die Ruhe geniessen. Diese Atmosphaere hielt leider nicht laenger als eine halbe Stunde, denn schon waren Taxis und LKWs und PKWs aller Jahrgaenge unterwegs, die fuer die beruehmte Dunstglocke ueber der Stadt sorgen. Ich zog mich nach einem weiteren kurzen Bummel durch die umliegenden Strassen wieder in mein Zimmerchen zurueck und war kurz darauf wieder eingeschlafen. Ich hatte gar nicht bemerkt, wie geschafft ich eigentlich war. Mein Reisefuehrer hat zwar ausdruecklich davor gewarnt, dass Direktreisende nach Mexiko D.F. fast immer erstmal unter der duennen Luft aufgrund der 2500 m Hoehenlage leiden. Der Smog wuerde zudem die Luft unertraeglich machen. Nun ja, er hatte also recht und ich nahm mir den Rat zu Herzen, mich ordentlih auszuruhen und blieb fuer den Rest des Tages bis auf eine kurze Essensjagd im Bett. (Immerhin hab ich gelesen. Das ist auch was. Das neue Nick-Hornby-Buch "Slam". Grossartig. Ganz, ganz toll!)
Um diese Zeit kann man ungestoert ueber die alten Plaetze schlendern. sich die alten Kolonialbauten ansehen und mit einem Pappkaffee in der Hand auf einer Bank hocken und die Ruhe geniessen. Diese Atmosphaere hielt leider nicht laenger als eine halbe Stunde, denn schon waren Taxis und LKWs und PKWs aller Jahrgaenge unterwegs, die fuer die beruehmte Dunstglocke ueber der Stadt sorgen. Ich zog mich nach einem weiteren kurzen Bummel durch die umliegenden Strassen wieder in mein Zimmerchen zurueck und war kurz darauf wieder eingeschlafen. Ich hatte gar nicht bemerkt, wie geschafft ich eigentlich war. Mein Reisefuehrer hat zwar ausdruecklich davor gewarnt, dass Direktreisende nach Mexiko D.F. fast immer erstmal unter der duennen Luft aufgrund der 2500 m Hoehenlage leiden. Der Smog wuerde zudem die Luft unertraeglich machen. Nun ja, er hatte also recht und ich nahm mir den Rat zu Herzen, mich ordentlih auszuruhen und blieb fuer den Rest des Tages bis auf eine kurze Essensjagd im Bett. (Immerhin hab ich gelesen. Das ist auch was. Das neue Nick-Hornby-Buch "Slam". Grossartig. Ganz, ganz toll!)
martes, 22 de abril de 2008
Der Flug - 16.04.2008 - oder es kommt wie es kommen muss
In aller Kuerze und Wuerze: Der Flug war der laengste Non-Stop-Flug, den ich jemals erlebt habe - 12 Stunden. das zieht sich. Das liegt vor allem daran (neben Winden und Komplikationen und was nicht alles so passiert), dass das Flugyeug die gleiche Strecke fliegt wie nach Kanada oder nach New York, naemlich ausfuehrlich ueber Groenland und dann wieder runter. Das schreiende Quotenbaby war natuerlich auch dabei und zu allem Ueberfluss sass vor mir das mir bisher unbekannte Exemplar von Durazell-Oma, welche - ohne eine einzige Schweigepause zu machen - ihren bejammernwerten Sitznachbarn unterhielt (laut und deutlich genug fuer alle anderen Umsitzenden) und zur Betonung ihrer fortwaehrend wiederholten Aeusserungen heftig mit ihrem grauen Lockenkoepfchen gegen den Sitz stiess, was tendenziell anfing, nervig zu werden (bestimmt haette ich sie, wenn sie nicht vor mir gesessen haette, sehr sympathisch gefunden). Dummerweise dauerte der Flug sogar noch etwas laenger als geplant, da die Landebahnen von anderen Maschinen besetzt waren. Als wir geschmeidig in die 3. Schleife ueber dem Flughafen uebergingen, konnte ich das Rumoren in meinem Magen nicht mehr ignorieren und suchte verzweifelt nach einer leeren Tuete. Die Oma wurde es derweil nicht muede, ihrem Nachbarn zum 3. Mal exact die gleichen Schilderungen ueber Mexiko von oben ins Ohr zu droehnen (ernsthaft, jeder andere waere nach 12 h heiser gewesen). Das hatte leider den Effekt, den bereits vorhandenen Brechreiz noch zu foerdern. So gab es also in den letzten 5 Minuten vor Landung noch ein anstaendiges Rueckwaertsessen. Wieso denn auch mal nicht...Das angenehme daran ist ja, dass man trotzdem noch zu ausfuehrlichen Gespraechen mit Stewardessen, Zollbeamten und Taxifahrern aufgefordert ist, obwohl man eigentlich nur in einem Bad verschwinden und den Kopf in einen Eimer Odol stecken moechte.
Trotz Uebelkeitspraesens wollte ich es mir aber keinesfalls entgehen lassen, den erstaunlichen Anblick Mexiko-D.F.s von oben zu erleben. Und was sich dort vor den Augen der Passagiere abspielt, ist wirklich eine Beschreibung wert. Beim Anflug auf die Stadt tauchte unter uns ein relativ weitreichendes bewohntes Gebiet auf, dass ich zuerst fuer Mexiko-Stadt hielt, abis mir einfiel, dass es vielleicht doch zu klein sei, um eien Einwohnerzahl von 20 Millionen zu fassen. Doch was wenige Minutebn spaeter sichtbar wurde, war einfach ueberwaeltigend. Erst taten sich die ersten Siedlungen auf, die sich weiter verengten, dichter wurden und noch dichter und einfach nicht mher aufhoeren wollten, solange wir auch darueber flogen. Waehrend der 3 Schleifen, die wir drehten, konnte man in keiner Himmelsrichtung auch nur den Rand der Stadt am Horizont sehen. Mexiko-Stadt war ueberall.
In der Zwischenzeit habe ich gelesen, dass es in Mexiko-Stadt eine Strasse gibt, die mit ihren 46 Kilometern zu den laengsten innerstaedtischen Strassen der Welt gehoert. Nach unserem Flug ueber das endlose Haeusermeer scheinen das die einzig realistischen Groessen zu sein.
Fast ebenso beeindruckend wie die Ausmasse dieser gigantischen Stadt war die Taxifahrt vom Flughafen zu dem Hotel, welches ich mir in meinem Reisefuehrer ausgeguckt hatte (ehrlich gesagt, hatte ich zuerst stundenlang mit dem Gedanken gespielt, direkt vom Flughafen aus noch einen Abestecher mit einem Nachtbus in eines der umliegenden Kolonialstaedtchen zu machen, aber bei der Landung war ich schon fast zu muede, um noch Pesos zu erstehen und ein Taxi zu bekommen). Offiziell zaehlt Mexiko ja immer noch zu den 3.-Welt-Staaten, auch wenn diese Unterscheidung von 1. und 3. Welt bereits ziemlich veraltet ist, und viele Institutionen/Wissenschaftler/etc 3 oder 4 Kategorien verwenden, wonach Mexiko eigentlich 2. Welt bzw. ein Schwellenland waere. Auch damit stuende es noch auf derselben Stufe wie, sagen wir, Indien. Doch statt baufaelligen Strassen und einem Verkehrschaos von 70-Jahre-Karosserien, Rikschaws und Kuehen fuhr mein Taxi ueber glatte, halbwegs sichere und saubere Strassen vorbei an hell angestrahlten Haeusern und bunten Leutreklamen. Die Strassenraender waren voller Menschen, die sich an den kleinen Staenden mit ihren billigen T-Shirts und gefaelschten Levis-Jeans umschauten oder sich in den Strassenkuechen amuesierten. An jeder anderen Ecke war mexikanische Musik zu hoeren, die man aus kitschigen (aber schoenen ;)..) Folklore-Werbespots kennt. Und es war angenehm mild und roch auch nicht so streng wie erwartet. Ich war sehr angetan von diesem ersten Stadteindruck und so manches der unbestimmten Furcht vor dieser Stadt fiel von mir ab.
Morgens um vier nach MEZ habe ich schliesslich ein kleines preiswertes und trotzdem zentrales Hotel gefunden und bin uebergluecklich ins Bett geplumpst.
Trotz Uebelkeitspraesens wollte ich es mir aber keinesfalls entgehen lassen, den erstaunlichen Anblick Mexiko-D.F.s von oben zu erleben. Und was sich dort vor den Augen der Passagiere abspielt, ist wirklich eine Beschreibung wert. Beim Anflug auf die Stadt tauchte unter uns ein relativ weitreichendes bewohntes Gebiet auf, dass ich zuerst fuer Mexiko-Stadt hielt, abis mir einfiel, dass es vielleicht doch zu klein sei, um eien Einwohnerzahl von 20 Millionen zu fassen. Doch was wenige Minutebn spaeter sichtbar wurde, war einfach ueberwaeltigend. Erst taten sich die ersten Siedlungen auf, die sich weiter verengten, dichter wurden und noch dichter und einfach nicht mher aufhoeren wollten, solange wir auch darueber flogen. Waehrend der 3 Schleifen, die wir drehten, konnte man in keiner Himmelsrichtung auch nur den Rand der Stadt am Horizont sehen. Mexiko-Stadt war ueberall.
In der Zwischenzeit habe ich gelesen, dass es in Mexiko-Stadt eine Strasse gibt, die mit ihren 46 Kilometern zu den laengsten innerstaedtischen Strassen der Welt gehoert. Nach unserem Flug ueber das endlose Haeusermeer scheinen das die einzig realistischen Groessen zu sein.
Fast ebenso beeindruckend wie die Ausmasse dieser gigantischen Stadt war die Taxifahrt vom Flughafen zu dem Hotel, welches ich mir in meinem Reisefuehrer ausgeguckt hatte (ehrlich gesagt, hatte ich zuerst stundenlang mit dem Gedanken gespielt, direkt vom Flughafen aus noch einen Abestecher mit einem Nachtbus in eines der umliegenden Kolonialstaedtchen zu machen, aber bei der Landung war ich schon fast zu muede, um noch Pesos zu erstehen und ein Taxi zu bekommen). Offiziell zaehlt Mexiko ja immer noch zu den 3.-Welt-Staaten, auch wenn diese Unterscheidung von 1. und 3. Welt bereits ziemlich veraltet ist, und viele Institutionen/Wissenschaftler/etc 3 oder 4 Kategorien verwenden, wonach Mexiko eigentlich 2. Welt bzw. ein Schwellenland waere. Auch damit stuende es noch auf derselben Stufe wie, sagen wir, Indien. Doch statt baufaelligen Strassen und einem Verkehrschaos von 70-Jahre-Karosserien, Rikschaws und Kuehen fuhr mein Taxi ueber glatte, halbwegs sichere und saubere Strassen vorbei an hell angestrahlten Haeusern und bunten Leutreklamen. Die Strassenraender waren voller Menschen, die sich an den kleinen Staenden mit ihren billigen T-Shirts und gefaelschten Levis-Jeans umschauten oder sich in den Strassenkuechen amuesierten. An jeder anderen Ecke war mexikanische Musik zu hoeren, die man aus kitschigen (aber schoenen ;)..) Folklore-Werbespots kennt. Und es war angenehm mild und roch auch nicht so streng wie erwartet. Ich war sehr angetan von diesem ersten Stadteindruck und so manches der unbestimmten Furcht vor dieser Stadt fiel von mir ab.
Morgens um vier nach MEZ habe ich schliesslich ein kleines preiswertes und trotzdem zentrales Hotel gefunden und bin uebergluecklich ins Bett geplumpst.
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